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Plattdeutsch

Uns Bild vun de groot Welt

Dat Fernsehen kennen wi as Kinner noch nich. Aver’n Radio, den lütten „Volksempfänger“ geev dat in jeed Huus.

groot welt

Bi uns stöh he up de Büfettkant un

 versorg uns mit Narichten. 
In de ersten Kriegsjohren kömen twischendörch ok noch „Sondermeldungen“ dörch, wenn wedder mol’n Ketelslacht wunnen worrn oder’n Festung fullen weer. 
Dörch Fanfarentöön wörr de Sieg ankünnigt, aver af 1943 weern düss Töön  ümmer seltener to hören  - Katastophenmeldungen as de vun Stalingrad harrn ok Tiet bet to  de Narichten. 
Bewegt Biller vun all de Fronten kregen wi bi de „Düütsch Wuchenschau“ in’t Kino to sehn, bevör dat mit’n Hauptfilm losgöh. Maandags kööm ümmer’n Wannerkino up’n Saal vun Dörpskroog un för uns Kinner lööp denn al nameddags  „Quax der Bruchpilot“ oder „Willy Birgel reitet für Deutschland“.
Ik weet ok noch, dat ik mit mien Vadder mol’n Utstellung in Hamborg besöcht heff. Mit uns Lüttbahn kömen wi na twintig Stationen up’n Kaltenkirchener Bahnhoff, wo hüüt’n groot Post steiht, an un müssen twischendörch lütt Enn bet „Holstenstraat“ to Foot lopen, vun wo uns de S-Bahn wieder na „Dammtor“ bröch.
„Sowjet-Paradies“ hööß de Utstellung un schull de „ Heimatfront“ wull afschrecken un mobiliseern. Ik seh dor noch so’n armselig russisch Holthuus, wo de groot Aven ut Lehm Slaapstell för de ganz Familie weer. 
Beutewaffen weern ok to sehn un ümmer wedder brennen Dörper un Städten – Hamborg ahn to de Tiet noch nix vun’t  „Ünnernehm Gomorrha“  in’n Juli 1943,  as de Rookwulken vun Hamborg denn bet över uns Dörp tröcken.

 

 

Hochdeutsch

Unser Bild von der großen Welt
 
Das Fernsehen kannten wir als Kinder noch nicht. Aber ein Radio, den kleinen Volksempfänger, gab es in jedem Haus. Bei uns stand er auf der Büfettkante und versorgte uns mit Nachrichten.
In den ersten Kriegsjahren kamen zwischendurch auch noch Sondermeldungen, wenn wieder mal eine Kesselschlacht gewonnen 
worden oder eine Festung gefallen war.
 
Durch Fanfarentöne wurden die Siege angekündigt, aber ab 1943 waren diese Töne immer seltener zu hören – Katastrophenmeldungen wie die von Stalingrad hatten auch Zeit bis zu den Nachrichten.
Bewegte Bilder von allen Fronten bekamen wir bei der „Deutschen Wochenschau“ im Kino zu sehen, bevor es mit dem Hauptfilm losging. Montags kam immer ein Wanderkino auf den Saal im Dorfkrug und für uns Kinder lief dann nachmittags „Quax der Bruchpilot“ oder  „Willy Birgel reitet für Deutschland“.
 
Ich weiß auch noch, dass ich mit meinem Vater mal eine Ausstellung in Hamburg besucht habe. Mit unserer Kleinbahn kamen wir nach zwanzig Stationen auf dem „Kaltenkirchener Bahnhof“ an, wo heute ein großes Postgebäude steht. Bis zum Bahnhof „Holstenstraße“ mussten wir dann eine kurze Strecke zu Fuß gehen, von wo uns die S-Bahn weiter nach „Dammtor“ brachte. „Sowjetparadies“ hieß hier die Ausstellung  und sollte die „Heimatfront“ wohl abschrecken und mobilisieren. Ich seh da noch so ein armseliges russisches Holzhaus, worin der große Ofen aus Lehm Schlafstelle für die ganze Familie war.
Beutewaffen waren auch zu sehen und immer wieder brennende Dörfer und Städte…Hamburg ahnte zu der Zeit noch nichts vom „Unternehmen Gomorrha“ im Juli 1943, als die Rauchwolken von Hamburg dann bis über unser Dorf hinwegzogen.
 

 

Uns Bild vun de groot Welt