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Plattdeutsch

„Op de Straat“ mit een dörchgahn Peerd

 

Dat sünd nu all 60 Johr her. To düss Tied weern up de Straten noch mehr Peer as Autos ünnerwegens  - tominnst up’n Dörpen wie bi uns in Grotenass.

Aver de Gefohr up de Straat slööp ok domols nich:

Ik wöör dat gewohr, as ik mol mit uns „Alex“, een sünst goodmödigen Sleswiger Wallach, an een kolen Märzdag up uns Koppel mit de Egg arbeit harr.

As ik em nadem wedder vörn Wagen spann, mark ik all, dat he unruhig weer un bloots noch snell wedder in sien warmen Stall kommen wull.

Kuum weer ik upstegen, göh dat all in Draff los un denn göh dat Peerd gliek in’n Galopp över. Mit dat Leih versöch ik, em to bremsen.

 Aver dor weer nix to moken. Mi wöör kloor, dat Peerd „geiht dörch“,  wat ik bether blots bi anner Peer al mol sehn harr. De erst Gefohr up de Brokenlander Straat kööm mit den Bahnövergang vör’t Dörp: nich uttodenken, wenn hier graad een Tog kommen wöör.

Dat göh aver good – un denn kömen wi an de ersten Hüüser in’t Dörp vörbi – noch jümmers in vullen Galopp. Geev dat noch een Utweg för mi?

Kunn ik mi mit een Sprung vun’n Wagen na achtern retten ? Aver dat Risiko weer bi dütt Tempo ok to groot.

Dor möss ik ok all in de nächst Kurv na links na uns Huus an de Ool Dörpstraat afbegen – dat heet dat Peerd kenn  jo den Weg na’n Hoff.

Hier dörf uns nu keen Fohrwark oder gor’n Auto in de Mööt kommen …

na, ok nu weer uns dat Schicksal gnädig!

In uns Straat wull ik denn bi dütt Tempo erst mol an de Hofinfohrt vörbijagen – dat Afbegen weer doch to scharp un dat Peerd möss doch ok mol mööd warrn… dach ik. Aver Alex lööt sik nich mehr lenken.

He wull in sien Stall un dreih so scharp in, dat de Wagen mit een Achterrad de Huswand schramm. Aver vör den Peerstall kömen wi denn doch wedder ton Stahn.

So stief un dankbor bün ik nadem nie wedder vun een Wagen stegen.

   

Hochdeutsch

„Auf der Straße“ mit einem durchgehenden Pferd

 

Das  sind nun schon 60 Jahre her.

Zu dieser Zeit waren auf den Straßen noch mehr Pferde als Autos unterwegs  - zumindest im Dorf wie bei uns in Großenaspe.

Aber die Gefahr auf der Straße schlief auch damals nicht.

Ich wurde das gewahr, als ich mit unserem „Alex“, einem sonst gutmütigem Schleswiger Wallach, an einem kalten Märztag auf unserem Feld mit der Egge gearbeitet hatte.

Als ich ihn nachher wieder vor den Wagen spannte, merkte ich schon, dass er unruhig war und nur noch schnell wieder in seinen Stall kommen wollte.

Kaum war ich aufgestiegen, ging es schon im Trab los und dann ging das Pferd gleich in Galopp über. Mit der Leine versuchte ich, ihn zu bremsen. Aber da war nichts zu machen. Mir wurde klar: das Pferd geht durch  - was ich bisher nur bei anderen Pferden schon mal gesehen hatte.

Die erste Gefahr auf der Brokenlander Straße kam mit dem Bahnübergang vorm Dorf: nicht auszudenken, wenn hier gerade ein Zug gekommen wäre.

Das ging aber gut – und dann kamen wir an den ersten Häusern im Dorf vorbei – immer noch im vollen Galopp.

Gab es noch einen Ausweg für mich ?  Konnte ich mich mit einem Sprung vom Wagen nach hinten retten ? Aber das Risiko war bei diesem Tempo auch zu groß.

Da musste ich auch schon in der nächsten Kurve nach links zu unserem Haus in der Alten Dorfstraße abbiegen –das heißt das Pferd kannte ja den Weg zum Hof.

Hier durfte nun kein Fuhrwerk oder gar ein Auto entgegekommen, na, auch nun war uns das Schicksal gnädig!

In unserer Straße wollte ich dann bei diesem Tempo erst einmal an der Hofeinfahrt vorbeijagen – das Abbiegen war doch zu scharf und das Pferd musste doch auch mal müde werden, dachte ich. Aber Alex ließ sich nicht mehr lenken.  Er wollte  in seinen Stall und drehte so scharf ein, dass der Wagen miteinem Hinterrad die Hauswand schrammte. Aber vor dem Pferdestall kamen wir ann doch wieder zum Stehen…..

So steif und dankbar bin ich nachher nie wieder von einem Wagen gestiegen.

 

Geschrieben von Heinz Starken